Hundeführerschein: Pflicht, Kosten und Prüfung nach Bundesland
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Kurze Antwort
Einen bundesweit vorgeschriebenen Hundeführerschein gibt es nicht. Für alle neuen Halter ist eine Sachkundeprüfung nur in Niedersachsen und seit dem 1. Juli 2026 in Bremen Pflicht, andere Länder verlangen sie für große oder gefährliche Hunde oder als Voraussetzung, um ohne Leine laufen zu dürfen. Die Preise legen die Prüfer fest, in Niedersachsen nennt das Land ab 40 Euro je Prüfungsteil.

Was ist der Hundeführerschein?
Hundeführerschein ist ein Begriff aus dem Alltag, kein Begriff aus dem Gesetz. Gemeint ist eine Prüfung, in der du zeigst, dass du Verhalten und Körpersprache deines Hundes verstehst, deine Pflichten als Halter kennst und den Hund im Alltag sicher führst. Fast immer gibt es einen theoretischen und einen praktischen Teil.
Die Landesgesetze sprechen von Sachkunde, Sachkundeprüfung oder Gehorsamsprüfung. Ob ein bestimmter Hundeführerschein zählt, entscheidet deshalb das Land, in dem du wohnst. Was der Sachkundenachweis rechtlich bedeutet und wer ihn erbringen muss, erklären wir ausführlich im Ratgeber zum Sachkundenachweis.
In welchen Bundesländern ist der Hundeführerschein Pflicht?
Die Länder regeln das sehr unterschiedlich. Grob lassen sich vier Gruppen unterscheiden:
- Pflicht für alle Halter: Niedersachsen verlangt nach § 3 NHundG von jedem Halter Sachkunde, die Theorie vor Beginn der Haltung und die Praxis im ersten Jahr. In Bremen gilt das nach § 3 BremHundeG für alle, die seit dem 1. Juli 2026 neu einen Hund halten.
- Pflicht für bestimmte Hunde: In Nordrhein-Westfalen brauchen Halter großer Hunde ab 40 cm Widerristhöhe oder 20 kg Gewicht, Halter bestimmter Rassen und Halter gefährlicher Hunde einen Sachkundenachweis.
- Voraussetzung für Erleichterungen: In Berlin bekommst du eine Befreiung von der Leinenpflicht nur mit Sachkundebescheinigung. In Hamburg brauchst du für eine Befreiung von der allgemeinen Anleinpflicht eine bestandene Gehorsamsprüfung oder eine gleichwertige Prüfung.
- Nur bei gefährlichen Hunden: Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen verlangen Sachkunde vor allem als Voraussetzung für die Erlaubnis, einen gefährlichen Hund oder Kampfhund zu halten.
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Ohne Leine laufen: Was gilt in Berlin und Hamburg?
In beiden Stadtstaaten ist der Hundeführerschein vor allem dann interessant, wenn dein Hund frei laufen soll. In Berlin wird dir mit dem Antrag auf Befreiung von der Leinenpflicht eine Sachkundebescheinigung erteilt. Als sachkundig gilt dort unter anderem, wer in den letzten fünf Jahren drei Jahre ununterbrochen und ohne Beanstandung einen Hund gehalten hat. Alle anderen legen eine Sachkundeprüfung nach § 7 des Berliner Hundegesetzes ab.
Hamburg nennt drei Wege zur Befreiung: die Gehorsamsprüfung bei einem anerkannten Sachverständigen, eine gleichwertige Prüfung oder, aus gesundheitlichen Gründen des Hundes, ein ausführliches tierärztliches Attest. Als gleichwertig zählen laut Infoblatt unter anderem Hundeführerscheine und Begleithundprüfungen großer oder überregionaler Verbände sowie Brauchbarkeitsprüfungen für Jagdhunde. Die Befreiung gilt nur für die Person und den Hund, für die sie erteilt wurde. Örtliche Verbote, etwa auf Spielplätzen, bleiben davon unberührt, wie die Hamburger Regeln zu Mitnahmeverboten zeigen.
Ausnahmen und Sonderfälle
In Niedersachsen musst du keine Prüfung ablegen, wenn du in den letzten zehn Jahren mindestens zwei Jahre ununterbrochen einen Hund gehalten hast. Ausgenommen sind dort auch Tierärzte, Halter von Blinden- und Assistenzhunden und einige weitere Gruppen, die § 3 Abs. 6 NHundG aufzählt. In Bremen legt nur die praktische Prüfung ab, wer in den letzten fünf Jahren mindestens zwei Jahre ununterbrochen einen Hund gehalten hat.
Für Bayern nennt Art. 37 LStVG bei Kampfhunden als Erlaubnisvoraussetzung ein berechtigtes Interesse und Zuverlässigkeit, aber keinen Sachkundenachweis. Für das Saarland konnten wir den aktuellen amtlichen Text noch nicht prüfen. Den Stand für dein Land findest du auf der jeweiligen Länderseite.
In Niedersachsen muss nur die Person den Nachweis haben, die als Halter gilt. Familienmitglieder brauchen erst dann eine eigene Bescheinigung, wenn sie selbst einen Hund halten. Wer mit seinem Hund nur zu Besuch nach Niedersachsen kommt, braucht dort laut LAVES keinen Sachkundenachweis, der Hund muss aber gechippt und haftpflichtversichert sein.
Wie läuft die Prüfung ab?
Am genauesten beschreibt Niedersachsen den Ablauf. Laut den Fragen und Antworten des Landesamts LAVES besteht die Theorie aus 35 Fragen mit jeweils einer richtigen Antwort. Die praktische Prüfung dauert etwa eine Stunde und findet in drei Umgebungen statt: in einer reizarmen Umgebung, auf einer Freilauffläche und im öffentlichen Verkehrsraum. Den praktischen Teil musst du dort nicht zwingend mit deinem eigenen Hund ablegen.
Die Prüfung nehmen in Niedersachsen nur anerkannte Prüfer ab, die das LAVES in einer Liste führt. Auch einige Hundeführerscheine von Verbänden erkennt das Land als gleichwertige Prüfung an, allerdings nur, wenn Theorie und Praxis vollständig bestanden sind. Welche das sind, steht im Fragenkatalog des LAVES.
Inhaltlich geht es nach § 3 Abs. 2 NHundG um Tierschutzrecht, das Verhalten von Hunden, das Erkennen gefährlicher Situationen, Erziehung und die geltenden Rechtsvorschriften. Andere Länder setzen eigene Schwerpunkte. In Brandenburg legen Halter gefährlicher Hunde die praktische Prüfung nach § 7 HundehV in der Regel mit dem eigenen Hund ab.
Wer durchfällt, kann es erneut versuchen. In Niedersachsen darfst du beide Teile beliebig oft wiederholen, zahlst aber jedes Mal die Prüfungsgebühr erneut.
Was kostet der Hundeführerschein?
Eine bundesweite Gebührenordnung gibt es nicht, die Preise legen die Prüfer fest. Das LAVES nennt für Niedersachsen ab 40 Euro für die schriftliche Theorieprüfung und ab 40 Euro für die praktische Prüfung, die Online-Theorie kann günstiger sein. Diese Angabe stammt aus dem Stand August 2020, frag deshalb vorher nach dem aktuellen Preis.
In Hamburg kommt zur Gehorsamsprüfung eine Gebühr für die Befreiung von der Anleinpflicht hinzu. Laut Infoblatt der Stadt sind das 35 Euro beim anerkannten Sachverständigen oder 55 Euro beim Fachamt Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt. Wird dir die Hundesteuer aus Billigkeitsgründen erlassen, halbiert sich diese Gebühr. Die Kosten der Prüfung selbst erfragst du beim Sachverständigen.
Vorbereitungskurse in Hundeschulen sind freiwillig und werden frei kalkuliert. Vergleiche Angebote und frag, ob der Kurs mit der anerkannten Prüfung endet oder nur darauf vorbereitet.
Kann ich den Hundeführerschein online machen?
Teilweise. In Niedersachsen kannst du die theoretische Prüfung bei anerkannten Prüfern online oder auf Papier ablegen. Die praktische Prüfung findet immer vor Ort mit Hund statt, weil der Prüfer sehen muss, wie ihr beide im Alltag zurechtkommt.
Viele Angebote mit dem Wort online sind reine Lernkurse. Sie können bei der Vorbereitung helfen, ersetzen aber keine anerkannte Prüfung. Prüfe vor der Buchung, ob der Anbieter in deinem Land als Prüfer anerkannt ist.
Bringt der Hundeführerschein Vorteile bei der Hundesteuer?
In manchen Gemeinden ja. Die Stadt Nürnberg nennt den Hundeführerschein ausdrücklich als möglichen Grund für eine einmalige Vergünstigung. Schleswig-Holstein und Thüringen erlauben ihren Gemeinden, Haltern mit freiwillig abgelegter Sachkundeprüfung die Hundesteuer zu ermäßigen. Das Thüringer Gesetz sagt dazu, das Nähere regle die jeweilige Steuersatzung.
Einen Anspruch darauf gibt es nicht. Ob deine Gemeinde eine Ermäßigung vorsieht und welche Prüfungen sie anerkennt, steht in ihrer Hundesteuersatzung. Den Antrag stellst du bei der Steuerstelle und legst das Prüfungszeugnis bei. Wichtig für Halter von Listenhunden: Eine bestandene Prüfung ändert nichts daran, dass viele Gemeinden für diese Hunde einen deutlich höheren Steuersatz verlangen.
So gehst du vor
Mit diesen Schritten findest du heraus, welche Prüfung du brauchst und was sie dir bringt:
- Landesrecht prüfen: Auf der Seite deines Bundeslandes siehst du, ob Sachkunde für alle Halter, für bestimmte Hunde oder nur freiwillig gilt.
- Anerkannte Prüfer suchen: Listen führen je nach Land die Fachbehörde, in Niedersachsen das LAVES, in Hamburg die Behörde für Justiz und Verbraucherschutz.
- Fristen notieren: In Niedersachsen und Bremen gehört die Theorie vor den Einzug des Hundes, die Praxis ins erste Haltungsjahr.
- Satzung lesen: Steht dort eine Ermäßigung für einen Hundeführerschein, beantragst du sie gleich nach der Prüfung.
- Bescheinigung aufbewahren: In Niedersachsen musst du sie nicht beim Spaziergang dabeihaben, aber auf Verlangen vorzeigen können.
- Nach einem Umzug nachfragen: Eine automatische Anerkennung in allen Ländern gibt es nicht. Niedersachsen behandelt Prüfer, die in einem anderen Bundesland anerkannt sind, nach § 3 Abs. 4 NHundG als anerkannt. Ob deine Bescheinigung nach einem Umzug genügt, klärst du am besten vorab mit der zuständigen Behörde am neuen Wohnort. Denk dabei auch an die Hundesteuer: Du meldest den Hund in der alten Gemeinde ab und in der neuen an.
Quellen
- LAVES Niedersachsen: Frage/Antwort-Katalog zum Niedersächsischen Hundegesetz (Stand August 2020) (Stand Oktober 2026)
- Niedersächsisches Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG), Gesamtausgabe beim LAVES (Stand Oktober 2026)
- Bremisches Gesetz über das Halten von Hunden (BremHundeG) vom 24. Juni 2025, Brem.GBl. 2025 Nr. 80 (Stand Oktober 2026)
- Landeshundegesetz Nordrhein-Westfalen (LHundG NRW), amtlicher SGV-Abdruck der Stadt Dortmund (Stand Oktober 2026)
- Service Berlin: Hundehaltung, Befreiung von der Leinenpflicht (Stand Oktober 2026)
- Freie und Hansestadt Hamburg: Infoblatt Anleinpflichten und Mitnahmeverbote (Stand 01/2026) (Stand Oktober 2026)
- Brandenburg: Hundehalterverordnung (HundehV) vom 24. Juni 2024, GVBl. II/24 Nr. 42 (Stand Oktober 2026)
- Land Schleswig-Holstein: Hundehaltung privat (Hundegesetz) (Stand Oktober 2026)
- Thüringen: Erstes Gesetz zur Änderung des ThürTierGefG, GVBl. 2018 Nr. 1 (Stand Oktober 2026)
- Bayern: Landesstraf- und Verordnungsgesetz, Art. 37 (Stand Oktober 2026)
- Stadt Nürnberg: Dienstleistung Hundesteuer (Stand Oktober 2026)
Die 5 häufigsten Fragen
Ist der Hundeführerschein in Deutschland Pflicht?
Nicht bundesweit. In Niedersachsen und für neue Halter in Bremen ist eine Sachkundeprüfung für alle Pflicht. Nordrhein-Westfalen verlangt sie für große, bestimmte und gefährliche Hunde, die meisten anderen Länder nur für gefährliche Hunde.
Was kostet der Hundeführerschein?
Die Preise legen die Prüfer fest. Für Niedersachsen nennt das Landesamt LAVES ab 40 Euro je Prüfungsteil, die Online-Theorie kann günstiger sein. Frag vor der Anmeldung nach dem aktuellen Preis.
Kann ich den Hundeführerschein komplett online machen?
Nein. In Niedersachsen ist die Theorie online möglich, die praktische Prüfung legst du immer vor Ort mit Hund ab. Reine Online-Kurse bereiten nur vor und ersetzen keine anerkannte Prüfung.
Muss ich die Prüfung mit meinem eigenen Hund machen?
Das hängt vom Land ab. In Niedersachsen ist das für den praktischen Teil nicht vorgeschrieben. In Brandenburg legen Halter gefährlicher Hunde die Praxis in der Regel mit dem eigenen Hund ab.
Spart der Hundeführerschein Hundesteuer?
Nur wenn deine Gemeinde das in ihrer Satzung vorsieht. Nürnberg nennt zum Beispiel eine einmalige Vergünstigung, Schleswig-Holstein und Thüringen erlauben Ermäßigungen ausdrücklich. Einen allgemeinen Anspruch gibt es nicht.